Regelmäßig gibt es Jugendliche, die ohne Ausbildungsplatz dastehen. So meldet der Berufsbildungsbericht 2020 des BMBF 24.500 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber (Stand: Ende September 2019). Spätestens dann, wenn es einen selbst trifft, ist die Verzweiflung groß. Mit unseren 7 Tipps zeigen wir dir, wie du deine Suche nach einer passenden Ausbildung optimieren kannst und welche Möglichkeiten es sonst noch gibt, deine Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu erhöhen.

Hier die Tipps im Überblick: 

  1. Suchradius erhöhen
  2. Für die Ausbildung umziehen
  3. Alternative Berufe in Betracht ziehen
  4. Aktiv werden
  5. Dich finden lassen
  6. Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen
  7. Plan B

Tipp 1: Suchradius erhöhen 

Warum du keinen Ausbildungsplatz findest, kann verschiedene Gründe haben. Einer davon könnte sein, dass es an deinem Wohnort zu wenige Lehrstellen gibt. Dann kann es sinnvoll sein, den Suchradius zu erhöhen. Zeig dich räumlich flexibel: Wenn es in deiner Heimatstadt keine freien Plätze gibt, kannst du schauen, ob es in Nachbarstädten bzw. Nachbarkreisen anders aussieht. Oftmals wird dieses Engagement unterstützt, etwa durch Fahrtgeld oder ein Jobticket vom Ausbildungsbetrieb. Du wohnst nahe der Grenze? Dann kannst du deine Suche auf das Nachbarland ausweiten. In Österreich, Dänemark, der Schweiz und in den Niederlanden gibt es beispielsweise auch das Modell der dualen Ausbildung.  

Tipp 2: Für die Ausbildung umziehen 

Zugegeben, es kann schwer sein, die vertraute Heimat hinter sich zu lassen und für die Ausbildung umzuziehen. Doch mit diesem Schritt kannst du die Chancen auf eine Ausbildung in deinem Wunschberuf weiter erhöhen. Wer dazu bereit ist, für einen Ausbildungsplatz umzuziehen, kann tolle Möglichkeiten und neue Wege entdecken. Für viele beginnt das "echte Leben" erst dann, wenn sie in ihrer ersten eigenen Wohnung sind. Vielleicht findest du aber auch eine Lehrstelle in der Nähe von Verwandten, bei denen du für die Dauer deiner Ausbildung unterkommen kannst? Ist das nicht der Fall, gibt es verschiedene finanzielle Hilfen, die du in Anspruch nehmen kannst. Mit der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bekommst du einen monatlichen Zuschuss, mit dem du deine Bude finanzieren kannst. Am besten beantragst du diesen Zuschuss schon vor Antritt deiner Ausbildung. Bei der Agentur für Arbeit kannst du dich beraten lassen und dort gleich alle notwendigen Formulare ausfüllen. Wird dein Antrag abgelehnt, etwa weil deine Eltern zu viel Geld verdienen, gibt es weitere Alternativen. Bei der Finanzierung deiner eigenen Wohnung kann das Kindergeld ebenso nützlich sein wie Wohngeld. Letzteres kannst du allerdings nur dann beantragen, wenn du keinen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe hast. Das Formular zur Beantragung von Wohngeld kannst du bei der Wohngeldstelle deiner Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung bekommen.

Tipp 3: Alternative Berufe in Betracht ziehen

Deinen Traumberuf hast du längst gefunden, nur mit einem Ausbildungsplatz hapert es noch? Manchmal kann es helfen, die Suche zu erweitern. Einige Berufsbilder ähneln sich inhaltlich und stellen ähnliche Anforderungen an dich und deine persönlichen Stärken und Interessen, wie zum Beispiel Heilerziehungspfleger und Sozialbetreuer oder Koch, Konditor und Bäcker. Es kann sich also durchaus lohnen, über den Tellerrand hinauszuschauen und artverwandte Berufe ausfindig zu machen. Am besten findest du Alternativberufe über Berufsfelder bzw. Berufe nach Themen: Berufe, in denen du mit Tieren arbeitest, kreative Berufe sowie Berufe im Einzelhandel haben oft viele Überschneidungen. Auch ein Berufs-Check kann dir helfen, einen alternativen, ebenfalls passenden Beruf zu finden. 

Tipp 4: Aktiv werden 

Warst du schon mal auf einer Berufsbildungsmesse? Wenn nicht, wird es höchste Zeit! Ein Besuch kann sich definitiv lohnen, denn hier kommst du mit Menschen aus Ausbildungsbetrieben in Kontakt. Am besten nimmst du gleich deine Bewerbungsunterlagen mit. Schließlich tummeln sich auf solchen Messen auch ortsansässige Ausbildungsbetriebe, die noch auf der Suche nach Azubis sein könnten. Auch dann, wenn du nicht die Möglichkeit hast, dich direkt auf einer Ausbildungs- bzw. Jobmesse zu bewerben, kannst du in vielerlei Hinsicht von ihnen profitieren: Zum Beispiel, indem du Informationen über Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsberufe sammelst, dich allgemein zur Ausbildung beraten lässt, an Workshops teilnimmst oder dich von aktuellen Azubis genauer informieren lässt. Wann immer Unternehmen einen Tag der offenen Tür veranstalten, kann dies für dich ebenfalls eine Chance sein, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Indem du aktiv wirst, kommst du mit Unternehmensvertretern ins Gespräch und erhöhst damit deine Chancen auf einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz. Tipp: Momentan finden die meisten Veranstaltungen durch die Corona-Pandemie online statt. Fehlende Zeit, Motivation oder eine zu weite Entfernung gelten also nicht als Ausrede, von virtuellen Jobmessen fern zu bleiben. 

Tipp 5:  Dich finden lassen 

Bewerberdatenbanken sind eine weitere Möglichkeit, mit Unternehmen in Kontakt zu kommen. Du musst dir nur ein Profil anlegen und dieses mit Informationen speisen. Und mit ein bisschen Glück schreibt dich schon bald ein Ausbildungsbetrieb an. Tipp: Fülle für dein Profil nicht nur die Pflichtfelder aus, sondern nutze auch die optionalen Felder, um Ausbildern ein möglichst vollständiges und aussagekräftiges Bild von dir zu geben.  

Tipp 6:  Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen

Hilfe vom Profi ist ein weiterer Schritt, der deine Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöht. Beim Bewerbungs-Check werden deine Unterlagen gründlich geprüft und du erhältst Tipps, mit denen du deine Bewerbungsunterlagen weiter optimieren kannst:

  • Struktur und Aussagefähigkeit
  • Grammatik, Rechtschreibung und Syntax
  • Formale Gestaltung

Ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)* ist eine weitere Möglichkeit, deine Aussichten auf eine Lehrstelle zu verbessern. Zielgruppe sind Ausbildungs- oder Arbeitssuchende, die mit diesem Gutschein an einer "Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung" teilnehmen können. Für dich ist die Teilnahme an diesen Maßnahmen komplett kostenlos. Je nachdem, wie lange eine Maßnahme dauert, kannst du damit auch unschöne Lücken in deinem Lebenslauf füllen. Nähere Informationen zu den Fördervoraussetzungen bekommst du bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter. Als Ausbildungsplatzsuchender kommen für dich zum Beispiel folgende Maßnahmen in Betracht:

  • Individuelles Jobcoaching
  • Business Englisch
  • Umgang mit MS Office und Office 365 

Tipp 7: Plan B

Gelingt es dir trotz aller Bemühungen nicht, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, muss ein Plan B her. Dieser kann aus einem FSJ, einem FÖJ oder einem anderen Freiwilligendienst bestehen. Ebenso denkbar: die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Maßnahme oder ein Praktikum. Manche Schülerinnen und Schüler nutzen die Zeit nach ihrem Schul- oder Studienabschluss auch ganz bewusst für ein Gap Year. Diese Auszeit gibt ihnen Gelegenheit, sich darüber klar zu werden, was sie in Zukunft machen möchten. Während des Gap Years  kannst du zum Beispiel an einem Work-and-Travel.Programm teilnehmen, ein Auslandspraktikum machen oder dich für ein Studienvorbereitungsjahr entscheiden. Tipp: Der Wegweiser zeigt dir alle Möglichkeiten nach der Schule von A-Z


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